Der „3. Allgäuer Viszeralmedizintag“ des Arbeitskreises Viszeralmedizin Schwaben e. V. widmete sich in diesem Jahr den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. „Diese Erkrankungen begleiten viele Betroffene ein Leben lang und stellen hohe Anforderungen an Diagnostik, Therapie und langfristige Betreuung“, erklärt Professor Stefan Maier, Chefarzt für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie am Klinikum Kaufbeuren.
Im Mittelpunkt standen insbesondere Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, die häufigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Beide verlaufen schubweise und können zu Bauchschmerzen, Durchfällen, Gewichtsverlust und erheblicher Einschränkung der Lebensqualität führen.
Während Morbus Crohn den gesamten Verdauungstrakt betreffen kann und oft alle Wandschichten des Darms einbezieht, beschränkt sich Colitis ulcerosa auf den Dickdarm und die oberflächliche Schleimhaut. „Die Erkrankungen verlaufen individuell sehr unterschiedlich. Ziel der modernen Therapie ist es, Entzündungen früh zu kontrollieren und Komplikationen möglichst zu vermeiden“, so Maier weiter.
Ein Beispiel für mögliche Komplikationen wurde in einer ausgezeichneten Fallvorstellung thematisiert: Ein akutes Abdomen bei Morbus Crohn zeigt, dass entzündliche Darmerkrankungen in schweren Verläufen zu Darmdurchbrüchen, Abszessen oder Engstellen führen können und dann rasches interdisziplinäres Handeln erfordern.
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen beginnen häufig im jungen Erwachsenenalter und verlaufen meist lebenslang. Neben körperlichen Beschwerden beeinflussen sie auch Schule, Beruf und soziales Leben. Unvorhersehbare Krankheitsschübe, Ernährungsunsicherheiten und wiederholte Arztbesuche stellen für viele Betroffene eine erhebliche Belastung dar.
„Unser Ziel ist es, den Patientinnen und Patienten trotz chronischer Erkrankung ein möglichst normales Leben zu ermöglichen“, betont Professor Helmut Diepolder. Laut dem Chefarzt für Innere Medizin am Klinikum Kaufbeuren können moderne Medikamente Entzündungen wirksam kontrollieren, und operative Eingriffe kommen heute gezielt und organerhaltend zum Einsatz. Ebenso wichtig sind Ernährungsberatung, psychosoziale Unterstützung und eine kontinuierliche Betreuung.
Die Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen erfordert eine enge Abstimmung zwischen Gastroenterologie, Viszeralchirurgie, Radiologie, Pathologie und Ernährungsmedizin. „Nur durch diese Zusammenarbeit können wir für jede Patientin und jeden Patienten die passende Therapie finden – von medikamentösen Strategien bis hin zu operativen Eingriffen, wenn sie notwendig werden“, erklärt Diepolder weiter, der gemeinsam mit Maier das Darmkrebszentrum Kaufbeuren leitet.
Die Tagung bot den Teilnehmenden Raum für intensive Diskussionen über neue medikamentöse Therapien, operative Strategien und strukturierte Behandlungspfade. „Gerade die Vernetzung zwischen Praxen und Kliniken macht diese Tagungen besonders wertvoll“, so das Fazit der beiden Viszeralmediziner. „Von der Grund- und Regelversorgung über die Schwerpunktversorger bis hin zu den Universitätskliniken tauschen sich hier wirklich alle mit ihren Erfahrungen und Erkenntnissen konstruktiv aus.“
Im Rahmen der Veranstaltung wurde turnusgemäß ein neuer Vorstand des Arbeitskreises Viszeralmedizin Schwaben e. V. gewählt:
„Der Arbeitskreis lebt vom regionalen Austausch und der engen Vernetzung zwischen Kliniken und Praxen“, erklären die beiden bisherigen Vorsitzenden Diepolder und Maier, die die Veranstaltung in den vergangenen drei Jahren gemeinsam organisiert haben. Sie geben nun gerne den Staffelstab weiter an den neuen Vorstand: „Unser gemeinsames Ziel ist es, die Versorgung viszeralmedizinischer Erkrankungen in Schwaben kontinuierlich weiterzuentwickeln.“