Bei der Fortbildungsveranstaltung „Red Flags in der Notfallmedizin – Tracer Diagnosen und die Bedeutung strukturierter Versorgungspfade“ diskutierten am 3. Dezember mehr als 120 Fachkräfte aus dem gesamten Allgäu über aktuelle Standards und künftige Entwicklungen der Notfallmedizin. „Wir freuen uns über die große Resonanz“, betont Dr. Philipp Zimmermann, der Chefarzt der Notfallzentren in Kaufbeuren und Füssen. „Das unterstreicht die Bedeutung des Themas unter Mitarbeitenden des Rettungsdienstes und der Leitstellen sowie unter Notärztinnen und Notärzten.“
Tracer Diagnosen betreffen Krankheitsbilder, die besonders zeitkritisch sind. Dr. Heiko Hübner zeigte anhand von Praxisbeispielen, wie wichtig hier klare Entscheidungswege und definierte Strukturen zwischen Leitstelle, Rettungsdienst und Klinik sind. „Nur so können wir diese Patientinnen und Patienten ohne Zeitverlust der richtigen Versorgung zuführen“, erklärt der Ärztliche Leiter Rettungsdienst im ILS-Bereich Allgäu, der darüber hinaus für eine weitere Sensibilisierung der Öffentlichkeit warb. „Alles steht und fällt mit den Betroffenen und deren Umfeld: Bei einem Verdacht auf einen Notfall muss sofort die 112 angerufen werden – lieber einmal zu oft als zu wenig.“
Mit Professor Karl-Heinrich Scholz von der Universitätsmedizin Göttingen sprach einer der bundesweit führenden Experten für die Behandlung des akuten Herzinfarkts auf der Fachveranstaltung. Er leitet das Projekt „Feedback-Intervention and Treatment-Times in ST-Elevation Myocardial Infarction“, kurz FITT-STEMI, das die Abläufe bei der Behandlung von Patienten mit akutem Herzinfarkt verbessern will und in dem auch die Klinik Füssen integriert ist.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Schlaganfallversorgung. PD Dr. Florian Schöberl, Oberarzt der LMU München und Koordinator des neurovaskulären Netzwerks NEVAS, erläuterte moderne Konzepte für Diagnostik und Therapie. Über NEVAS ist die Klinik Füssen in ein überregionales Netzwerk eingebunden, das bei Schlaganfällen eine lückenlose Versorgungskette vom Rettungsdienst bis zur spezialisierten Klinik gewährleistet.
Die Herausforderungen bei schweren gastroenteralen Blutungen erläuterten Professor Hans-Dieter Allescher und Dr. Michael Dykta. „Solche Notfälle erfordern schnelles Handeln und die enge Kooperation von Innerer Medizin und Chirurgie“, stellt Allescher heraus. Der renommierte Gastroenterologe war langjähriger Chefarzt am Zentrum für Innere Medizin in Garmisch-Partenkirchen. Seit diesem Jahr fungiert er als Senior Consultant in der Endoskopie der Klinik Füssen.
Alle Vorträge machten deutlich, wie eng verzahnt Rettungsdienst, Leitstelle, Netzwerkpartner und die Klinik Füssen zusammenarbeiten. Für das südliche Ostallgäu bedeutet dies: Herzinfarkte, Schlaganfälle und gastrointestinale Blutungen können an 365 Tagen im Jahr, 24 Stunden am Tag, wohnortnah behandelt werden.
„Notfallmedizin funktioniert nur, wenn alle Beteiligten klare Strukturen haben und diese konsequent gelebt werden“, fasst Zimmermann, der Chef der Notfallzentren Kaufbeuren und Füssen, den Abend zusammen. Die hohe Teilnahmezahl zeigte, wie engagiert Fachkräfte in der Region daran arbeiten, diese Versorgung weiterzuentwickeln.
Für die Bevölkerung ist entscheidend, frühe Warnzeichen zu erkennen und im Zweifel schnell Hilfe zu holen. Die 112 sollte immer gewählt werden bei:
Im Zweifel gilt immer: Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig die 112 rufen.