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08.03.2020

Sicherer und menschlicher: Telemonitoring in der Kardiologie hilft Patienten und Ärzten

Ein Gespräch mit dem ärztlichen Direktor und Chefarzt der Medizinischen Klinik Dr. Martin Hinterseer über die beruhigenden Seiten moderner Technologien, lebensrettende Apps und die menschliche Seite der Digitalisierung.

Bild: Herr Dr. Martin Hinterseer, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, Intensiv- und Notfallmedizin, Ärztlicher Direktor der Klinik Füssen

Herr Dr. Hinterseer, die zunehmende Technologisierung unseres Lebens macht manchen Menschen Angst. Wie sehen Sie als Arzt diese Entwicklung?

Dr. Martin Hinterseer: In der Medizin überwiegen deutlich die Vorteile! Die Digitalisierung sorgt für mehr Sicherheit und mehr Menschlichkeit: Denn mit ihrer Hilfe können wir Ärzte und Pflegende von zeitraubenden patientenfernen Tätigkeiten entlasten, so dass sie wieder mehr Zeit für ihre eigentliche Arbeit am Menschen haben. Den Sicherheitsaspekt sehe ich deutlich in ländlich-alpinen Gegenden. Wir hier in Füssen versorgen ein Gebiet bis in den österreichischen Außerfern. Darum arbeiten wir in der Kardiologie verstärkt mit telemedizinischen Elementen.

Was kann ich mir darunter vorstellen?

Stellen Sie sich vor, Sie sind Herzpatient. Sie sitzen am Frühstückstisch und spüren Ihr Herz unregelmäßig schlagen. Sie machen sich Sorgen und werden immer aufgeregter. Der Weg in die nächste Klinik ist relativ weit, weil Sie auf dem Land wohnen. Sie haben vielleicht niemanden, der Sie fahren kann, und sind unsicher, ob Sie ein Fall für den Notruf sind. Genau da kommen die neuen technischen Anwendungen ins Spiel. Das sind z.B. Uhren mit integrierten Sensoren oder Apps, also kleine Computerprogramme für das Smartphone, die die Handykamera als Messgerät nutzen. So können Sie ohne weiteres Ihre Pulswelle selbst messen und erhalten Informationen, die uns Auskunft über Art und Gefährlichkeit der Rhythmusstörung geben. Das ist wie ein Mini-EKG, für das Sie nicht einmal das Haus verlassen müssen.

Ältere Menschen haben da vielleicht Berührungsängste, oder?

Ich beobachte, dass Smartphones zunehmend auch von der älteren Generation genutzt werden – Tendenz steigend. Zudem sind die Anwendungen gut auf die Bedürfnisse dieser Nutzer abgestimmt. Wir müssen uns gerade auf dem Gesundheitssektor auf die älter werdende Bevölkerung einstellen. Telemedizin zählt da ganz eindeutig zu den Trends der Zukunft.

Funktionieren diese Mittel tatsächlich zuverlässig?

Es gibt mehrere Studien, die den positiven Nutzen solcher Techniken belegen. Dazu zählen auch implantierbare Geräte, die wir für eine Fernüberwachung, so genanntes Telemonitoring, nutzen können. Herzinfarktpatienten etwa können wir einen Eventrekorder einsetzen – ein kleines Gerät, das die Herztätigkeit kontinuierlich aufzeichnet. Die Patienten werden dann im Rahmen einer Studienkooperation mit dem Deutschen Herzkreislaufzentrum telemedizinisch für das Auftreten von potenziell bedrohlichen Rhythmusstörungen überwacht – und bei auffälligen Daten frühzeitig gewarnt, um Komplikationen zu vermeiden. Auch Herzschrittmacher oder implantierte Defibrillatoren können diese Überwachungsleistungen übernehmen. Sie sind mit den nötigen technischen Voraussetzungen ausgestattet, die wir nur freischalten müssen.

Wie läuft das ganz konkret ab?

Das Gerät erkennt zum Beispiel gefährliches Vorhofflimmern. Die Daten werden automatisch an die Klinik gesendet und analysiert. Bei auffälligen Werten können wir intervenieren, den Patienten informieren und so vielleicht Schlimmeres, wie etwa einen Schlaganfall, vermeiden. Ich höre im Gespräch immer wieder, dass sich meine Patienten mit dieser technischen Unterstützung viel sicherer und ruhiger fühlen. Auch der Hausarzt bekommt dann die Daten und kann seine Behandlung individuell anpassen – natürlich alles unter den aktuellen Vorgaben des Datenschutzes. All diese Geräte sind übrigens geeignet für weiterführende diagnostische Maßnahmen wir etwa MRT, so dass wir bei Bedarf auch solche Untersuchungen in Füssen durchführen können.

Und wie sieht es mit der Kostenübernahme durch die Krankenkassen aus?

Im Rahmen von Studien werden die Kosten übernommen, auch Hochrisikopatienten erhalten diese Dinge als Kassenleistung. Alle anderen Interessierten nehmen den Weg über einen individuellen Antrag beim jeweiligen Kostenträger.