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01.12.2021

Mit richtiger Hygiene Krankheiten verhindern

Keime: Gründliches Händewaschen und korrekter Umgang mit Masken trägt noch immer einen großen Teil zur Prävention von Infektionen bei

Bei der richtigen Händehygiene sollten die trockenen Hände mit ausreichend Desinfektionsmittel ca. 30 Sekunden lang gründlich auf alle Stellen verrieben werden.

Geht etwas zuerst Ungewohntes in unseren Alltag über, hat das gute und schlechte Seiten. Das hat sich während der Corona-Pandemie vor allem an den allgegenwärtigen Masken und an der Händedesinfektion gezeigt. Auf der einen Seite tragen wir die Masken ohne große Umschweife und desinfizieren uns x-mal am Tag die Hände. Auf der anderen Seite kehrt schnell eine gewisse Nachlässigkeit ein. Annette Michl‐Kormann, Leitende Hygienefachkraft und Fachkrankenschwester für Krankenhaushygiene der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren, spricht im Interview über das wichtige Alltags-Thema Hygiene.

Die Hände zu waschen wird uns von klein auf beigebracht. Nun gibt es überall Spender mit Desinfektionsmittel – wird das klassische Händewaschen dadurch überflüssig?

Annette Michl-Kormann: Nein, denn abgesehen von bestimmten Situationen – wie zum Beispiel im Krankenhaus – würde ich dazu raten, sich im eigenen Haushalt lieber die Hände zu waschen. Das ist für den Privathaushalt vollkommen ausreichend. Desinfektionsmaßnahmen können in Ausnahmefällen wie der Betreuung von an Infektionskrankheiten leidenden Familienmitgliedern sinnvoll sein. Im öffentlichen Bereich werden momentan häufig Desinfektionsmittel für die Hände angeboten. Hier gibt es allerdings auch große Qualitätsunterschiede. Wie so oft kosten die guten Präparate mehr Geld, sodass diese in Geschäften gefühlt seltener zum Einsatz kommen.

Wie desinfizieren wir unsere Hände denn richtig?

Michl-Kormann: Wichtig ist dabei trockene Hände zu haben, weil wir das Desinfektionsmittel sonst verdünnen. Zudem muss ausreichend davon zum Einsatz kommen – etwa eine hohle Hand voll. Diese sollten wir dann 30 Sekunden lang gründlich auf alle Stellen der Hände verreiben.

Und wie sieht es aus fachlicher Sicht mit dem korrekten Händewaschen aus?

Michl-Kormann: Das Wasser sollte nicht zu heiß sein, besser lauwarm. Nachdem wir die Hände unter fließendes Wasser gehalten haben, schön einseifen und die Seife 20 bis 30 Sekunden lang verteilen und einwirken lassen. Dann können wir sie unter dem laufenden Wasser abspülen und zuletzt – ganz wichtig – gut abtrocknen.

In welchen Situationen sollte sich jeder die Hände waschen oder desinfizieren?

Michl-Kormann: Wenn man von draußen nach Hause kommt, nach dem Toilettengang, nach dem Niesen oder Husten, bevor wir Speisen zubereiten und vor dem Essen. Außerdem wäre Handhygiene vor dem An- und Ablegen einer Maske richtig, auch wenn das im Alltag nicht immer möglich ist. Schließlich befinden sich Keime und Erreger ja an der Außenseite des Mund- und Nasenschutzes. Die Masken haben übrigens den zusätzlichen Vorteil, dass auch andere durch Tröpfcheninfektion übertragene Krankheiten wie Influenza oder andere Erkältungsviren kaum eine Chance haben.

Beobachten Sie eine gewisse Hygiene-Müdigkeit bei den Menschen?

Michl-Kormann: Ja, das ist in allen Bereichen zu sehen. Allein, wenn wir politische Debatten im Fernsehen verfolgen, sehen wir immer weniger Abstände und Masken. Auch tragen viele Menschen den Mund- und Nasenschutz nur noch unter der Nase. So kommt er natürlich nicht zu seiner Wirkung. Auch beim Händedesinfizieren geht es oft sehr schnell und es kommen nur kleine Mengen zum Einsatz. Generell sollte man vermeiden, mit ungewaschenen Händen Mund und Nase zu berühren. Und: Vor allem in Zeiten von Corona, aber auch sonst, bitte beim Husten und Niesen von anderen Personen abwenden. Dabei sollte man am besten ein Einmaltaschentuch verwenden und dieses dann entsorgen. Ist keines zur Hand, besser in die Armbeuge als in die Handfläche husten oder niesen.

Kann es denn auch zu viel Hygiene geben, sodass das Immunsystem geschwächt wird?

Michl-Kormann: Nein, die körpereigene Abwehr leidet darunter nicht. Denn es gibt trotz häufigen Händewaschens immer noch genug Erreger um uns herum, sodass das Immunsystem beschäftigt ist. Allerdings kann zu häufiges Waschen die Haut schädigen.

Nochmal anders sieht ja die Hygiene im Krankenhaus aus. Wo liegen die Hauptunterschiede?

Michl-Kormann: Hier ist die Hygiene nicht freiwillig, sondern Pflicht. Schließlich gilt es durch Prophylaxe zu verhindern, dass sich Krankheitserreger in der Klinik verbreiten. Das dient dem Schutz von Patientinnen und Patienten sowie des Personals. Auch Personen ohne Symptome können bei Einweisung mit übertragbaren Krankheitserregern besiedelt oder infiziert sein. Aufgrund von Inkubationszeiten und multiresistenter Keime kann eine Infektion zu diesem Zeitpunkt bereits vorhanden oder im Entstehen begriffen sein.

Was tun Sie, um dem Rechnung zu tragen?

Michl-Kormann: Dafür gibt es einen einrichtungsinternen Hygieneplan nach den Empfehlungen einer Kommission des Robert-Koch-Instituts. Dazu gehören etwa Hände- und Flächendesinfektion, Medizinprodukteaufbereitung (zum Beispiel Endoskope und Instrumente), Maßnahmen am Patienten und mehr. Hygienefachkräfte schulen beispielsweise das Personal in Händehygiene und das Personal weist dann die Patientinnen und Patienten darin ein. Außerdem gibt es traditionell den Aktionstag Saubere Hände mit Schulungen und einen Infostand. Zum Beispiel können wir den Schulungsteilnehmern unter Schwarzlicht und mit einem fluoreszierenden Mittel die Wirklücken bei der Händedesinfektion aufzeigen. Diesen Tag gibt es schon seit Jahren, normalerweise auch für Gäste, und er wird sehr gut angenommen. Aufgrund der Pandemie findet er heuer jedoch nur für das Personal statt.