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16.12.2020

Stille Helden

Seit Ausbruch der ersten Welle versorgen die Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren zahlreiche Corona-Patienten. Nicht nur auf der Intensivstation, auch auf der Covid-Station (Isolationsstation) ist das Personal seit Monaten besonders gefordert. Das Klinikum Kaufbeuren gibt einen Einblick über notwendigen Schutz und was sie für die isolierten Patienten leisten können.

Das Pflegeteam der Isolationsstation des Klinikums Kaufbeuren, stellvertretend für die vielen Pflegerinnen und Pfleger auf den Covid-Stationen

 

„Seit Monaten arbeitet das Personal von Intensiv-, Isolationsstation, Notaufnahme und viele mehr in einem konstanten Ausnahmezustand – körperlich und psychisch.“ beschreibt die Pflegedienstleiterin Andrea Lehmann die aktuelle Situation. „Und sie stellen sich nicht in den Fokus, sie sind unsere „stillen Helden“. Wir sind dankbar und stolz auf sie!“ Gerade die Isolationsstation arbeitet seit Beginn des Jahres durch Corona mit den neuen Herausforderungen und einem besonderen Arbeitsalltag. Aktuell schulen sie zudem andere Normal-Stationen, die aufgrund der aktuellen Situation in Covid-Stationen umgewandelt werden müssen.

„Wir kommen ganz normal täglich zur Arbeit und haben keine Angst vor der Situation oder dem Umgang mit den Covid-positiven-Patienten. Schließlich ist unser Team ja schon immer erfahren im Umgang mit diversen, infektiösen Krankheiten.“ sagt Stationsleiterin Andrea Dunkel von der Isolationsstation des Klinikums Kaufbeuren. Seit dem ersten Corona-Patienten Anfang des Jahres wurde die Station zur Covid-Station und seit dem arbeiten sie und ihr Team an Covid-19-Patienten. „Wir haben die letzten Monate sehr viel gelernt. So brauchen die Corona-Patienten zum Beispiel eine viel engmaschigere Kontrolle als normale Patienten. Der pflegerische Aufwand ist viel, viel höher, damit wir auch eine rasche Verschlechterung der Patienten schneller bemerken können. Aktuell haben wir zudem deutlich mehr Covid-19-Patienten, mit schwereren Verläufen, als im Frühjahr“.

Alle Mitarbeiter der Isolationsstation müssen sich dabei selbstverständlich penibel an die hygienischen Vorschriften halten. Zum Alltag gehört dabei das zeitintensive An- und wieder Ablegen der persönlichen Schutzausrüstung inkl. FFP-Maske, Schutzhaube, Vollvisier, Kittel, Plastikschürze, Handschuhen und Überschuhen. „Temperaturgefühle haben wir keine mehr, egal ob Sommer oder Winter. Auch Ausschlag oder Druckstellen an Nase und Ohren sowie Heiserkeit gehören nun mal seit Monaten dazu, daran haben wir uns gewöhnt.“ erzählt die Stationsleiterin vom Arbeitsalltag. Gerade mit älteren Patienten müsse man lauter sprechen, da sie durch Maske und Visier auch nicht mehr von den Lippen lesen können. „Dabei versuchen wir trotzdem einfühlsam mit den Patienten umzugehen, die natürlich verunsichert sind und sich alleine fühlen. Wir erklären ihnen deshalb genau, worauf wir achten, was mit ihnen passiert und dass ihnen immer geholfen wird, falls sich der Zustand verschlechtert.“

Die Patienten auf der Covid-Station zu versorgen, das heißt, Symptome wie Atemnot, Schmerzen, Husten und Durchfall zu lindern und den Krankheitsverlauf genau zu beobachten, um rechtzeitig reagieren zu können. Wenn sich beispielsweise eine Verschlechterung ankündigt, kann der Patient rasch auf die Intensivstation verlegt werden. All das bringe das Pflegepersonal physisch oft an seine Belastungsgrenze, vor allem weil einem die Atemschutzmaske bei körperlicher Anstrengung die Atmung erschwert. "Sie leisten nicht nur harte körperliche Arbeit, dazu kommt auch die psychische Belastung.“ gibt Lehmann einen tieferen Einblick. „Das Pflegepersonal der Isolationsstation ist es gewohnt Schwerstkranke zu versorgen und kommt mit hoher Arbeitsbelastung zurecht. Zudem hatten sie schon immer Erfahrung mit Infektionskrankheiten, aber durch die Besonderheiten der Covid-Versorgung nimmt das alles eine neue Dimension an. Seit Anfang des Jahres arbeiten sie unter Dauerstress und dem persönlichen Druck, trotzdem den Patienten das zu geben, was sie benötigten. Auch haben wir vermehrt Patienten, die relativ schnell versterben, das ist für alle belastend.“

Trotz des Dauerstresses herrschen Zusammenhalt und Kollegialität im Pflegeteam. Am Anfang der Pandemie sei es auch spannend gewesen, denn durch die neue Herausforderung musste einfach nur daran gearbeitet werden, neue Lösungen zu finden. „Wir haben damals zu Beginn zum Beispiel unsere Visiere selbst gebastelt. Vieles wäre so nicht möglich gewesen wenn das Team nicht so hochmotiviert, kollegial und flexibel wäre. Wir geben alles, halten zusammen, achten aufeinander, kommen aber auch an unsere Grenzen.“ erzählt die Stationsleiterin. „Trotz all der aktuellen Anstrengung könnte ich mir aber keinen anderen Job vorstellen. Es ist ein erfüllender und wichtiger Beruf, Patienten zu versorgen und man bekommt auch viel zurück.“

Wir haben eine Pandemie, die jede Altersstufe betrifft und viele vor Herausforderungen stellt. Die aktuellen Zahlen, die Situation an den Kliniken und deren Stationen lässt das Pflegepersonal nicht zur Ruhe kommen. „Wir wollen der Bevölkerung einen Einblick geben und auch um Solidarität bitten. Es ist nicht schwer, das Infektionsgeschehen mit zu beeinflussen, aber das geht nur wenn alle zusammenhalten.“, erklärt Pflegedirektor Axel Wagner „Wir appellieren an die Bevölkerung, sich an die Regeln zu halten, Maske zu tragen und Kontakte drastisch zu reduzieren.“