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11.10.2021

Rheuma früh erkennen und besser behandeln

Sensibilisierung: Kaum eine Krankheit zeigt sich durch so diffuse Symptome. Wird sie rechtzeitig erkannt, lässt sie sich jedoch gut therapieren

Rheumatologie-Chefarzt Dr. Artur Schleich mit Assistentin Sonja Martin

Rheuma lässt sich zwar noch immer nicht heilen, jedoch mittlerweile gut behandeln. Für betroffene Menschen kann ein nahezu normales Leben möglich sein. "Hit hard and early" – also früh und mit geballten Mitteln gegen die Krankheit vorzugehen, lautet ein Leitsatz der Rheumatologie. Dazu ist es natürlich besonders wichtig, Rheuma in seinen vielfältigen Ausprägungen und mit seinen oft unspezifischen Symptomen früh zu erkennen. Zum Welt-Rheuma-Tag rückt der auf diesem Gebiet renommierte Buchloer Chefarzt Dr. Artur Schleich mögliche Warnzeichen in den Fokus. Er gehört zu den wenigen Spezialisten in einem weiten Umkreis, die Rheuma stationär behandeln. Schleich arbeitet zudem mit zahlreichen niedergelassenen Ärzten zusammen.

Ein Zeichen ist immer, wenn Schmerzen plötzlich und ohne Unfall oder Verletzung auftreten und bleiben. "Vorgestern war noch alles normal und seit gestern sind andauernde Schmerzen da", beschreibt Schleich ein verdächtiges Beispiel. Noch eindeutiger wird es für ihn, wenn gürtelförmige Schulter- oder Becken-Schmerzen vor allem am Morgen auftreten. Sie können sich auch wie ein Muskelkater nach Überlastung anfühlen, die jedoch aus dem Nichts kommen. Dies kann auf Polymyalgia rheumatica hinweisen.

Weitere Varianten der gleichen Krankheit sind die Aortenbogen Vaskulitis und die Arteriitis temporalis, die vor allem Ältere treffen. Dabei handelt es sich um rheumatische Blutgefäßerkrankungen. Auf sie können zunächst wenig alarmierende Symptome wie Abgeschlagenheit, unklares Fieber sowie hohe Entzündungswerte hinweisen. Vorsicht ist bei plötzlichen Kopfschmerzen ohne Auslöser angesagt: Dann betrifft die Krankheit möglicherweise die Blutgefäße im Kopf und es besteht die Gefahr eines Schlaganfalls. Auch die Kopfhaut schmerzt in diesem Fall häufig tagelang. Das kann ebenso zu Ausfallerscheinungen und Augenschmerzen führen. Schleich empfiehlt bei diesen Anzeichen schnell den Hausarzt aufzusuchen, der die Situation in der Regel beurteilen kann und gegebenenfalls die Rheumatologie einschaltet. Sind die Augen betroffen, besteht die Gefahr zu erblinden. Schnelles Handeln ist also unerlässlich.

Die rheumatoide Arthritis dagegen kann auch langsam über Monate hinweg auftreten. Sie betrifft vor allem die Gelenke und äußert sich beispielsweise durch dicke Knie. Schwellungen an Fingern und Handgelenken hindern Betroffene daran, die Hand zur Faust zu ballen. Besonders klar weisen symmetrische Schwellungen an beiden Beinen oder Armen darauf hin. Diese Art macht rund die Hälfte der Rheumaerkrankungen aus.

Der Buchloer Chefarzt weist ebenso auf entzündliche Wirbelsäulenerkrankungen hin. Diese treffen vor allem junge Männer. Sie äußern sich häufig durch Rückenschmerzen, die nachts stark sind und einen um den Schlaf bringen. Hellhörig müsse er als Rheumatologe werden, wenn die Rückenschmerzen zwar tagsüber besser werden oder sogar verschwinden, generell aber über längere Zeit immer wieder nachts auftreten.

Es existieren zudem seltenere Formen von Rheuma. Dazu zählen beispielsweise die Kollagenosen, die innere Organe, vor allem Nieren, Herz und Lunge sowie die Nerven befallen. Sie können auch zu Lichtempfindlichkeit führen.

Ebenfalls gehört die Gicht zu rheumatischen Erkrankungen, hat jedoch andere Ursachen. Es handelt sich um eine stoffwechselbedingte Krankheit. Dabei lagert sich bei erhöhter Harnsäure im Blut diese in kristalliner Form im Gewebe neben den Gelenken ab. Der Körper bekämpft das und entwickelt schmerzhafte Entzündungen.

Da Rheuma so viele Ausprägungen hat, bedarf es vor allem langjähriger Erfahrung, um die richtigen Werkzeuge zur Diagnose einzusetzen. Helfen können etwa Gelenkultraschall, Labor-Untersuchungen, Röntgen sowie Kernspintomographie. Die gute Nachricht bei der Therapie ist, dass es bereits seit Jahren "sehr gute Medikamente gegen Rheuma gibt", wie Schleich sagt. Zwar lasse sich die Krankheit im Körper damit nicht beseitigen. Doch könnten Patientinnen und Patienten in vielen Fällen wieder normal zur Arbeit gehen und ihre Freizeit genießen. Auch ihre Lebenserwartung sinkt dadurch nicht mehr. "Voraussetzung dafür ist allerdings, dass ich die Patienten rechtzeitig bekomme und dazu bewegen kann, die Medikamente regelmäßig einzunehmen", betont der Buchloer Rheumatologe.

Infokasten Rheuma

Rheuma ist ein Oberbegriff für mehrere sogenannte Autoimmunerkrankungen. Dabei treten Entzündungen an verschiedenen Körperstellen wie Gelenken, Bindegewebe, Blutgefäßen oder Organen auf. Bei einer Autoimmunerkrankung nimmt das Immunsystem körpereigene Strukturen als Eindringling wahr und versucht diese durch eine Entzündung zu bekämpfen. Die genauen Ursachen dafür sind noch immer unklar. Jedoch gibt es eine genetische Neigung zu Rheuma. Insgesamt leiden etwa 3,5 bis vier Prozent der Deutschen unter einer rheumatischen Erkrankung.