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22.11.2021

Gesunder Lebensstil schützt vor Herzinfarkt

Herzwochen III: Wie es vom Bluthochdruck über die koronare Herzkrankheit bis zum lebensbedrohlichen Ereignis kommen kann. Schon kleine Schritte können die Gefahr senken

Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Kardiologie Dr. Sascha Chmiel (Mitte) während einer kardiologischen Befundbesprechung mit den Oberärzten Dr. Hussein Traboulsi (links) und Dr. Laszlo Sarvary-Arantes (rechts)

Anlässlich der Herzwochen (1. bis 30.November) geben in diesem Monat alle drei Standorte der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren Einblicke in je ein Thema rund um die Kardiologie. Die Aktionswochen der Deutschen Herzstiftung haben sich heuer dem Schwerpunkt "Ursache, Diagnose und Therapie des Bluthochdrucks" verschrieben. Dieser kann im Extremfall nach vielen Jahren bis zum Herzinfarkt führen. Wie es dazu kommt und was Menschen dagegen tun können, auch bereits lange vor jedem Notfall, weiß der Ärztliche Direktor der Klinik St. Josef in Buchloe, Dr. Sascha Chmiel. Der Facharzt für Innere Medizin ist Chefarzt der Kardiologie, Intensiv- und Notfallmediziner sowie zertifizierter Interventionskardiologe. Dabei legt er einen klaren Schwerpunkt darauf, seine Patientinnen und Patienten von einem gesünderen Lebensstil zu überzeugen – wobei bereits im wahrsten Sinne des Wortes kleine Schritte etwas bewegen können.

Als "Wurzel allen Übels", bezeichnet Chmiel den Bluthochdruck aus kardiologischer Sicht. Denn dieser verändert die drei Hauptgefäße, die das Herz mit Blut versorgen. Diese werden dabei verdickt, verengt und es finden Ablagerungen statt. Das geschieht nicht über Nacht, sondern über Jahre mit hohem Blutdruck. Der Buchloer Chefarzt vergleicht es mit dem Gewichtheben im Fitnessstudio: Das Gewebe reagiert auf den Druck und wächst. Nur, dass dies am Herzen unbemerkt bleibt und negative Folgen hat. Sind die großen Adern verengt, spricht die Medizin von der koronaren Herzkrankheit, die zu den häufigsten Ursachen eines Herzinfarkts zählt.

"Wir sehen in unserem Klinik-Alltag, dass eigentlich alle Patienten mit koronaren Herzerkrankungen Bluthochdruck haben", erläutert Chmiel. Insgesamt sind 25 Millionen Deutsche von zu hohem Blutdruck betroffen. Die Dunkelziffer liegt deutlich höher. Das führe aus medizinischer Sicht zu "tickenden Zeitbomben". Der Druck, der die Gefäße schädigt, könne ebenso die Nieren in Mitleidenschaft ziehen oder, wenn die Augen betroffen sind, sogar bis zur Blindheit führen. Bekommt das Gehirn zu wenig Blut, besteht die Gefahr eines Schlaganfalls. Problematisch ist laut Chmiel, dass zu hoher Blutdruck häufig erst diagnostiziert wird, wenn es bereits Probleme gibt. Fällt Bluthochdruck schon zuvor auf, etwa bei einer Routineuntersuchung, führt das nicht zwingend zu einem Umdenken aufseiten der Betroffenen. Denn diese haben dadurch lange keine Einschränkungen oder Schmerzen. "Sie können Wandern gehen und sogar Sport treiben. Da ist es nicht leicht, sie davon zu überzeugen, ihre Angewohnheiten zu ändern", sagt Chmiel. Das gilt teils auch noch für Patientinnen und Patienten, die mit Brustschmerzen ins Krankenhaus kommen, bis dahin jedoch symptomfrei waren. Für solche Fälle steht nun auch in Buchloe eine Chest Pain Unit (CPU) zur Verfügung. Damit verfügen nun alle drei Standorte der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren über eine solche zertifizierte Notfallstation, in der unklare Brustschmerzen Tag und Nacht und ohne Termin behandelt werden.

Doch um welches Verhalten geht es eigentlich im Alltag? Fachleute sprechen von "Lifestyle-Management", also der Art und Weise, wie wir unsere Gewohnheiten steuern. Denn zu den Ursachen des Bluthochdrucks gehören unter anderem Bewegungsmangel, Übergewicht, zu hoher Kochsalzkonsum, zu viel Alkohol und Rauchen. Letzteres bezeichnet Chmiel dabei als "Brandbeschleuniger", da es zusätzlich die Gefäße verengt. Doch auch die anderen Faktoren addieren sich nicht auf, sondern exponenzieren sich und führen so zu "einer dramatischen Risikozunahme".

Doch es gibt auch eine positive Seite: Da die genannten Ursachen häufig zusammenhängen, müssen Betroffene nicht alle auf einmal angehen. "Es lohnt sich, schon einzelne Faktoren zu beeinflussen", betont Chmiel. Dabei rät er, mit mehr Bewegung anzufangen. Dabei müsse es sich gar nicht um Sport handeln, bereits Spazierengehen bewirke viel: Drei bis viermal die Woche 20 Minuten Bewegung senken demnach das Risiko eines kardio-vaskulären Ereignisses wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder arterieller Durchblutungsstörung um die Hälfte. Dabei kommt es darauf an, sich mindestens zwei bis drei Monate lang ganz bewusst zu bewegen, dann würde man auch selbst Fortschritte im Wohlbefinden spüren. Häufig hilft es, das soziale Umfeld miteinzubeziehen, um konsequent zu bleiben. Denn erst nach einiger Zeit geht neues Verhalten in Gewohnheiten über und verändert das Befinden: Wer sich bewegt, am besten an der frischen Luft, atmet besser, nimmt ab, kommt in Form, isst häufig besser und senkt so Zucker- und Cholesterinwerte.

Dass dabei entgegen früherer Ansichten im wahrsten Sinne des Wortes jeder Schritt zählt, beweist eine Studie aus England: Diese verglich das kardio-vaskuläre Risiko bei Bus- und Bahnlenkerinnnen, die den ganzen Arbeitstag lang sitzen mit dem der Fahrkartenkontrolleure, die stets unterwegs sind. Das Ergebnis: Allein diese Bewegung bei der Arbeit senkte das Gefahrenpotenzial für Herz-Kreislauferkranken deutlich.

Natürlich unterstützen auch Medikamente die Therapie. Doch das Beispiel aus England zeigt, dass positive Änderungen im Lebensstil die Grundlage jeder Therapie und Vorsorge darstellen. Wer an dieser Schraube dreht, kann die Dosis der Medikamente eventuell senken oder sie irgendwann sogar ganz weglassen. Denn, das betont Chmiel, für jede Arznei müsse es eine Rechtfertigung geben, von der Arzt und Patientin oder Patient überzeugt sind.