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10.10.2022

Rheuma: besser früh behandeln 

Kaum eine Krankheit geht mit derart diffusen Symptomen einher wie Rheuma. Rechtzeitig erkannt, lässt es sich jedoch gut therapieren, wie der Buchloer Chefarzt Dr. Artur Schleich zum Welt-Rheuma-Tag erklärt.

Rheumatologie-Chefarzt Dr. Artur Schleich mit Assistentin Sonja Martin | © Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren
Rheumatologie-Chefarzt Dr. Artur Schleich mit Assistentin Sonja Martin

Rheumatologie-Chefarzt Dr. Artur Schleich mit Assistentin Sonja Martin.

Rheuma lässt sich zwar noch immer nicht heilen, jedoch mittlerweile erfolgreich behandeln. „Es gibt bereits seit Jahren sehr gute Medikamente gegen Rheuma", betont der auf diesem Gebiet renommierte Buchloer Chefarzt Dr. Artur Schleich. Zwar lasse sich die Krankheit im Körper damit nicht beseitigen, doch die Lebenserwartung der Erkrankten sinke auch nicht mehr. Schleich: „In vielen Fällen können Patientinnen und Patienten wieder ein normales Leben führen und ihre Freizeit genießen.“

Voraussetzung dafür sei jedoch, früh und mit geballten Mitteln gegen die Krankheit vorzugehen. "‘Hit hard and early‘ lautet ein Leitsatz der Rheumatologie“, erklärt Schleich. Gerade deshalb ist es wichtig, Rheuma in seinen vielfältigen Ausprägungen und mit seinen oft unspezifischen Symptomen früh zu erkennen. Zum Welt-Rheuma-Tag rückt Schleich daher mögliche Warnzeichen in den Fokus.

Ein Zeichen ist laut Schleich immer, wenn Schmerzen plötzlich und ohne Unfall oder Verletzung auftreten und bleiben. "Vorgestern war noch alles normal und seit gestern sind andauernde Schmerzen da", beschreibt der Chefarzt, der als einer der wenigen Spezialisten im Umkreis Rheuma stationär behandelt, ein verdächtiges Beispiel. Noch eindeutiger wird es für Schleich, wenn gürtelförmige Schulter- oder Becken-Schmerzen vor allem am Morgen auftreten. „Sie können sich auch wie ein Muskelkater nach Überlastung anfühlen, kommen jedoch aus dem Nichts“, so Schleich. Dies könne auf Polymyalgia rheumatica hinweisen.

Weitere Varianten rheumatischer Blutgefäßerkrankungen seien die Aortenbogen Vaskulitis und die Arteriitis temporalis, die vor allem ältere Menschen treffen. Auf sie können laut Schleich zunächst wenig alarmierende Symptome wie Abgeschlagenheit, unklares Fieber sowie hohe Entzündungswerte hinweisen. „Vorsicht ist bei plötzlichen Kopfschmerzen ohne Auslöser angesagt“, so der Rheumatologe. „Dann betrifft die Krankheit möglicherweise die Blutgefäße im Kopf und es besteht die Gefahr eines Schlaganfalls.“ Auch die Kopfhaut schmerze in diesem Fall häufig tagelang, was zu Ausfallerscheinungen und Augenschmerzen führen kann. Schleich empfiehlt bei diesen Anzeichen schnell den Hausarzt aufzusuchen, der die Situation in der Regel beurteilen kann und gegebenenfalls die Rheumatologie einschaltet. „Sind die Augen betroffen, besteht die Gefahr zu erblinden“, erklärt Schleich. „Schnelles Handeln ist also unerlässlich.“

Rund die Hälfte aller Rheumaerkrankungen mache die rheumatoide Arthritis aus, die vor allem die Gelenke betrifft und sich etwa durch dicke Knie äußert. Schwellungen an Fingern und Handgelenken hindern Betroffene daran, die Hand zur Faust zu ballen. Besonders klar weisen symmetrische Schwellungen an beiden Beinen oder Armen darauf hin.

Infokasten Rheuma

Rheuma ist ein Oberbegriff für mehrere sogenannte Autoimmunerkrankungen. Dabei treten Entzündungen an verschiedenen Körperstellen wie Gelenken, Bindegewebe, Blutgefäßen oder Organen auf. Bei einer Autoimmunerkrankung nimmt das Immunsystem körpereigene Strukturen als Eindringling wahr und versucht diese durch eine Entzündung zu bekämpfen. Die genauen Ursachen dafür sind noch immer unklar. Jedoch gibt es eine genetische Neigung zu Rheuma. Insgesamt leiden etwa 3,5 bis vier Prozent der Deutschen unter einer rheumatischen Erkrankung.