Guter Start trotz Frühgeburt

26.10.2017, Klinikum Kaufbeuren
Harl.e.kin-Nachsorge für früh- und risikogeborene Kinder feiert 10. Geburtstag.

Viele werdende Eltern haben eine genaue Vorstellung davon, wie ihr Baby das Licht der Welt erblicken soll. Möglichst sanft auf jeden Fall, in ruhiger und geborgener Atmosphäre. Doch das ist leider nicht immer möglich. Manche Babys haben es eilig und kommen zu früh. Bei anderen wird eine Krankheit bereits im Mutterleib entdeckt und sie brauchen direkt nach der Geburt intensivmedizinische Versorgung. Für viele Eltern ist das ein Schock und die Verunsicherung ist groß. Das kommt insbesondere dann zum Tragen, wenn die kleine Familie mit dem kranken oder frühgeborenen Baby das Krankenhaus verlassen darf. Im Klinikum Kaufbeuren arbeiten deshalb Geburtshelfer, Kinderärzte und die Harl.e.kin-Nachsorge, die professionelle Betreuung für früh- und risikogeborene Kinder, eng zusammen. Jetzt im Herbst feiert Harl.e.kin 10jähriges Bestehen. Ein guter Grund, einen Blick auf die wichtige Arbeit zu werfen, die gemeinsam mit den betreffenden Fachabteilungen des Klinikums Kaufbeuren seit so vielen Jahren Hand in Hand zum Wohle von Eltern und Kind geleistet wird.

 „Das Ziel bei Frühgeburtsbestrebungen ist immer, das Kind so lange wie möglich im Bauch der Mutter zu halten“, so die Chefärztin der Frauenklinik Dr. Marianne Mayer. Oft gelinge dies sogar noch eine ganze Weile, stets jedoch in enger Abstimmung mit den Neonatologen. „Wenn ein Baby vor der 32. Woche kommen will, müssen wir die Mutter verlegen“, ergänzt Mayer. „Denn in unserer neonatologischen Intensivstation können wir Babys erst ab der 32. Schwangerschaftswoche oder 1500 Gramm Geburtsgewicht versorgen“, informiert PD Dr. med. Markus Rauchenzauner, Chefarzt der Kinderklinik Kaufbeuren. Dies habe nichts mit der Qualifikation der Mitarbeiter oder der technischen Ausstattung der neonatologischen Intensivstation der Kinderklinik zu tun, sondern mit der Anzahl der dafür nötigen Pflegekräfte. „Für ein Frühchen unter 1500 Gramm  muss pro Tag ein Team von drei neonatologisch ausgebildeten Pflegekräften zu Verfügung stehen“, erläutert Rauchenzauner. Das könne personell derzeit in der Kinderklinik Kaufbeuren nicht abgedeckt werden.

Kommt ein Frühchen oder ein krankes Kind im Klinikum Kaufbeuren zur Welt, so wird es gleich auf die dortige Neointensivabteilung verlegt und von einem speziell geschulten Ärzte- und Pflegeteam versorgt. Zur Erleichterung aller frischgebackenen Eltern fehlt den meisten Frühgeborenen über 1500 Gramm nicht viel. „Aber es mangelt ihnen an Größe, Reife und Kraft“, informiert Rauchenzauner. Größtes Problem seien die noch nicht ganz ausgereifte Lunge sowie eine noch unausgereifte Verdauung. „Das heißt, diese Babys haben manchmal Probleme mit dem Atmen, kühlen leicht aus, haben immer wieder mal Blutzuckerabfälle und Schwierigkeiten, die Milch zu verdauen.“, zählt Dr. Renate Berger, Koordinatorin der Harl.e.kin-Nachsorge in Bayern, auf. Wenn die Eltern mit ihren Babys dann endlich nach Hause dürften, könne es schnell zu Verunsicherung und Überforderung kommen. Um dies zu vermeiden, nimmt die Harl.e.kin-Nachsorge bereits während des Klinikaufenthaltes Kontakt mit der Familie auf, sodass direkt nach der Entlassung aus der Kinderklinik ein "Tandem" aus einer vertrauten Kinderkrankenschwester und einer erfahrenen Fachkraft der Frühförderstelle die Familien mit früh- oder risikogeborenen Kindern im Übergang nach Hause begleitet. „Diese Begleitung sorgt im Vorfeld schon dafür, dass mögliche Probleme gar nicht erst auftauchen“, erläutert Berger. Die Betreuung durch die Fachkräfte, die die Familien von Beginn an erhielten, führe zu vermehrter Sicherheit im Umgang mit dem Frühchen oder dem kranken Baby. „Wir beantworten mit viel Fingerspitzengefühl wirklich alle noch so banal scheinende Fragen und bestärken die Eltern, in ihre eigenen Fähigkeiten zu vertrauen!“, so Berger. Man achte auf Kleinigkeiten, vermeide jeglichen Druck auf die Eltern, sondern versuche im Gegenteil sie zu beruhigen und auf das bereits Geschaffte aufmerksam zu machen. Ganz praktisch gebe man Hilfe und Beratung zur Gestaltung des Umfelds und des Alltags, um bestmögliche Voraussetzungen für die gute Entwicklung des Kindes zu schaffen. Schritt für Schritt gelinge es auf diese Weise die Hürden des Alltags mit einem noch unreifen oder kranken Kind zu bewältigen, bis sich die Beziehung zwischen Kind und Eltern schließlich „einspiele“. Bei zwei Drittel der Familien in der Harl.e.kin-Nachsorge dauere dieser Prozess einige Monate mit nur 2-3 Hausbesuchen und gelegentlichen stützenden Telefonaten, bei einem Drittel der Familien seien mittlere oder längere Beratungen erforderlich oder es komme zu kurzen Wiederaufnahmen des Beratungskontakts z.B. bei neuen Unsicherheiten in der Entwicklung. Eines müsse klar sein: „Wichtigste Bezugspersonen sind die Eltern, nicht die Therapeuten!“, sagt Berger. Es müsse letztlich immer darum gehen, sich überflüssig zu machen.

Frauenärztin Mayer schätzt die Harl.e.kin-Nachsorge sehr: „Harl.e.kin komplettiert die professionelle Versorgung von frühgeborenen und kranken Kindern über das Krankenhaus hinaus“. Hebammen könnten das nicht leisten. Auch Kinderchefarzt Rauchenzauner freut sich über die stets gute und intensive Zusammenarbeit: Dank Harl.e.kin könnten Babys nach Hause entlassen werden, die andernfalls länger im Krankenhaus überwacht werden müssten.

Foto: Harl.e.kin-Nachsorge in Bayern

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