Die Nachwuchsschmiede in Zeiten des Pflegenotstands

01.08.2017, Klinikum Kaufbeuren
Berufsfachschule für Gesundheits- und Krankenpflege freut sich noch immer über volle Klassen

Mit rund 120 Bewerbern im Jahr können sich die Lehrer der Berufsfachschule für Gesundheits- und Krankenpflege am Klinikum Kaufbeuren noch immer die passendsten Bewerber für die rund 50 zur Verfügung stehenden Ausbildungsplätze pro Jahr aussuchen und stehen damit im Vergleich zu anderen Berufszweigen noch relativ gut da. Eigentlich. „Immerhin haben wir einen Bewerbungsrückgang um rund ein Drittel zu verzeichnen“, so Stefanie Kohler, die Leiterin der Schule, nachdenklich. Dabei betreibe man regelrechte Bewerberakquise, was früher nicht nötig gewesen sei, jedenfalls nicht in diesem Ausmaß. Im Grunde sei man das ganze Jahr über unterwegs in Schulen, auf Ausbildungsmessen, organisiere seit einiger Zeit jährlich einen Tag der offenen Tür, schalte Anzeigen und vieles mehr.

„Während früher die Klasse für den neuen Ausbildungsjahrgang bereits im Januar voll war, wird es jetzt Mai oder Juni“, erzählt Kohler. Der demografische Wandel mache sich deutlich bemerkbar.  Aber auch die Qualität der Bewerbungen habe sich verschlechtert. „Die Schulabgänger kommen mit immer schlechteren Noten“, bedauert Kohler. Das liege nicht etwa daran, dass die Schüler dümmer seien. Sie bemerke nur, dass es viele gebe, die einfach weniger interessiert, weniger engagiert  seien.  „Es ist definitiv schwieriger geworden, junge Leute zu finden, die sich für was begeistern“, so Kohler. „Dabei ist gerade der Pflegeberuf ein Beruf, für den es viel Enthusiasmus und Idealismus braucht“, gibt Kohler unumwunden zu. Denn der Berufsalltag sei stressig, die Anforderungen in der Praxis hoch, und für das, was geleistet werden müsse, könne die Bezahlung besser sein.

Längst nicht jeder, der sich bewirbt, ist auch geeignet. „Damit sich unsere Bewerber ein Bild machen können, von dem, was in der Ausbildung, insbesondere aber im späteren Beruf auf sie zukommt, bestehen wir auf ein Praktikum im Vorfeld“, informiert Kohler. „Wer kein Blut sehen kann, schlechte Gerüche nicht erträgt oder sich extrem vor Exkrementen ekelt, der sollte sich seine Berufswahl besser nochmal durch den Kopf gehen lassen.“, rät Kohler. Ihr ist wichtig, dass den Bewerbern von vornherein klar ist, dass man es mit kranken Menschen zu tun hat, die sich in einer Ausnahmesituation befinden.

Ob ein Bewerber schließlich einen Ausbildungsplatz erhält, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Noten spielen zwar eine Rolle, jedoch nicht die entscheidende. Viel wichtiger als das Zeugnis ist Kohler beispielswiese, ob der Bewerber ein sozial engagierter Mensch ist, ob er Lernbereitschaft mitbringt und ob er Empathie besitzt. „Naja und dann sollte man natürlich auch gesund sein“, so Kohler.  „Wenn man beispielsweise bereits mit chronischen Rückenproblemen in den Beruf startet, könnte es schwierig werden“, sagt Kohler. Kohler weiß, auf Station gibt es keine Schonung. Da werden Schüler voll rangenommen. Dafür erhalten sie allerdings auch eine erstklassige praktische Ausbildung. „Die meisten Stationen reißen sich die Beine aus, um ihren Schülern was zu beizubringen und sie bestmöglich auszubilden“, ist Kohler stolz. Überhaupt sei die gesamte Ausbildung sehr anspruchsvoll. Umso mehr ist eine gut überlegte Auswahl der künftigen Schüler Voraussetzung dafür, dass beide Seiten glücklich werden. Deswegen gibt es ausführliche Einzelgespräche, bei denen man sich gegenseitig auf den Zahn fühlen kann.

„Viele wollen den Beruf ergreifen, weil einer der Eltern in der Pflege arbeitet oder weil ein Angehöriger zuhause gepflegt wurde und es dort als sinnvolle und erfüllende Tätigkeit erlebt worden war.“, erzählt Kohler. „Solche Bewerber wissen natürlich oft schon von zuhause, was auf sie zukommt“, so Kohler. Und dennoch: Trotz aller Gespräche und Praktika im Vorfeld hören in der Regel drei bis fünf Schüler während der sechsmonatigen Probezeit wieder auf: „Man kann immer mal Fehlentscheidungen treffen“, weiß Kohler.  „Manche sind tatsächlich vom Lernstoff überfordert und andere stellen fest, dass es doch nicht das Richtige für sie ist“, erläutert die erfahrene Schulleiterin. Da bringe es nichts, sich drei Jahre lang durchzuquälen.

Wer es allerdings durchzieht und geschafft hat, und das sind immerhin die meisten, der muss sich heutzutage keine Gedanken machen, nach der Ausbildung eventuell keinen Job zu bekommen. „Alle, die nach bestandenem Examen im Unternehmen bleiben wollen, werden in der Regel auch übernommen.“  , so Kohler. Und alle anderen hätten eine super Ausbildung mit sehr hoher Praxiskompetenz vorzuweisen und würden überall gerne genommen.

Fakt ist: eine Schule am Haus ist auf jeden Fall eine Nachwuchsschmiede. Kliniken ohne Schule tun sich heutzutage extrem  schwer, Personal zu bekommen.  „Wir hingegen sorgen selbst für einen garantiert hervorragend ausgebildeten Pflege-Nachwuchs“ so Kohler nicht ohne Stolz auch im Hinblick auf ihre vollen Klassen.

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