Damit der Sturz kein Absturz wird

12.04.2017, Klinik Füssen
Auch im Alter schnell wieder fit nach Knochenbruch - spezielles Behandlungskonzept in der Klinik Füssen

Oberschenkelhalsbruch.  Handgelenksfraktur. Schlüsselbeinbruch. Wirbelkörpereinbruch. Wenn ältere Menschen stürzen, kann dies der Beginn vom Ende eines bislang noch eigenständig geführten Lebens sein und nicht selten sogar den Einzug in eine Pflegeinrichtung nach sich ziehen. Dabei gehören Stürze zu den häufigsten Unfällen in Deutschland. Besonders bei älteren Menschen. Nachlassende Muskelkraft, fehlendes Gleichgewicht, aber auch gefährliche Stellen im Haushalt sind die häufigsten Ursachen. Vor allem verletzen sich ältere Patientinnen und Patienten bei vermeintlich unbedeutenden Sturzereignissen meist sehr viel schwerer als junge Menschen. Jedes Jahr kommt es infolge von Stürzen zu rund 250.000 Knochenbrüchen.  Und bedingt durch vielfältige Vorerkrankungen sind ältere Menschen in höherem Maße von Komplikationen betroffen sowohl durch die Verletzung selbst als auch durch die Operation und die damit einhergehende Narkose.  Oftmals kann schon eine Kleinigkeit ihr bisher funktionierendes System aus dem Lot bringen.

Um eine Negativspirale zu verhindern, gibt es in der Klinik Füssen ein durchdachtes Behandlungskonzept, das die besonderen Erfordernisse älterer Patienten in den Fokus stellt. Ziel der Behandlung ist es, Selbständigkeit zu erhalten bzw. wiederherzustellen. „Wenn ein älterer Patient beispielsweise mit einer Knochenfraktur eingeliefert wird, kann nicht einfach so mal schnell der Knochen repariert werden“, erläutert der unfallchirurgische Chefarzt Dr. Jochen Schmand. Bei einem älteren Menschen stehe immer ein fachübergreifendes Ärzte-Team zur umfassenden Diagnostik und Behandlung  des Patienten bereit. „Die meisten älteren Menschen haben verschiedene, altersbedingte  Vorerkrankungen wie beispielsweise Diabetes, Bluthochdruck, Herzinsuffizienz oder eine Nierenschwäche“, erklärt der Geriater und Chefarzt der Geriatrischen Rehabilitation an der Klinik Füssen, Dr. Claus Uecker. Meist werde auch eine Vielzahl verschiedener Medikamente eingenommen. All das müsse  im Vorfeld einer Operation von einem Fachärzteteam aus Geriater, Internist, Anästhesist und Chirurg  abgeklärt, beurteilt  und ggf. behandelt werden, um unnötige Belastungen für den Patienten zu vermeiden.  „Die Versorgung älterer, gebrechlicher Patienten nach einem Unfall erfordert nicht nur besondere unfallchirurgische, sondern auch spezifische altersmedizinische Kompetenzen, von der Notaufnahme bis zum Übergang in die Rehabilitation“, bringt es Schmand auf den Punkt.

Natürlich bedürfe auch die operative Versorgung des gebrochenen Knochens spezieller Maßnahmen und Materialien, die dem Zustand eines eventuell osteoporotisch veränderten Knochengewebes gerecht werden. „Bei meinen älteren Patienten verwende ich in der Frakturversorgung sog. winkelstabile Platten, Nägel und Schrauben“, informiert Schmand. „Diese verhalten sich wie ein Fixateur, bieten weniger Bewegungsspielraum, sodass die Schrauben nicht so leicht ausreißen können, insbesondere bei nicht mehr so tragfähigen Knochen“, so Schmand weiter. Für sehr weiche und bröselige Knochen gebe es sog. Augmentationsmöglichkeiten. „Das sind spezielle gelöcherte Hohlschrauben, in die man Knochenzement einspritzt“, erklärt der Unfallchirurg. Der Zement trete durch die Löcher aus und fülle Knochendefekte auf. Eine ähnliche Möglichkeit biete die sog. Kyphoplastie bei altersbedingten Wirbelfrakturen. „Man führt über eine Kanüle einen Ballonkatheter in den Wirbelkörper ein, richtet den Wirbelkörper durch Aufblasen des Ballons auf und füllt den dadurch entstandenen Hohlraum mit Knochenzement auf“, so Schmand. Manchmal sei zusätzlich zur Kyphoplastie eine Stabilisierung der Wirbelsäule mit einem Fixateur aus Schrauben und Stangen nötig.

„Sollte nach der Operation eine vorübergehende Unterbringung auf unserer Intensivstation nötig sein, so wird dem älteren Patienten selbstverständlich auch hier eine auf seine speziellen Bedürfnisse zugeschnittene Therapie zuteil“, so Schmand. Und schließlich sei eine umgehende Mobilisierung nötig, damit der Patient schnellstmöglich wieder auf die Beine komme“, fügt Altersspezialist Uecker hinzu. Dies sei häufig entscheidend  über den weiteren Verlauf des Genesungsprozesses und damit für den Erhalt der Selbstständigkeit.

Man kann sagen, sobald die akute unfallchirurgische Behandlung abgeschlossen ist, verlagert sich der Behandlungsschwerpunkt auf die geriatrische Behandlung und die Vorbereitung der rehabilitativen Maßnahmen. Physiotherapeuten, Sozial- und Pflegeberater sowie weitere Spezialisten ergänzen das interdisziplinäre Team und sorgen gemeinsam mit den Ärzten für eine abgestimmte Behandlung und die patientenorientierte Weiterversorgung auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus oder einer Weiterverlegung in die Geriatrische Rehabilitation in der Klinik Füssen.

„Und last but not least braucht ein älterer Mensch nochmal eine ganz andere Form der Zuwendung und Fürsorge und ist  in einem familiären Haus überschaubarer Größe wie es die Klinik Füssen ist, bestens aufgehoben“, sind sich Schmand und Uecker einig.

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