"Ich lebe noch!"

07.08.2014, Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren
Hervorragende ärztliche Intuition, hohes ärztliches Können und perfekt aufeinander abgestimmte Zusammenarbeit im Verbund. Der Tag, an dem Silvia Niggl aus Schwangau trotz allem mehr Glück als Unglück hatte!

Zwar fühlt sich Silvia Niggl noch nicht ganz fit, aber das Wichtigste für Sie: „Ich bin noch da!“. Dank hervorragender ärztlicher Intuition sowie hohem ärztlichen Können und einer perfekt aufeinander abgestimmten Zusammenarbeit im Verbund ist die Bäuerin aus Schwangau noch am Leben.

Am 21. Januar hat sich die Mutter von drei bereits erwachsenen Kindern beim unglücklichen Sturz von einer Treppe eine Fraktur am linken Fuß sowie eine tiefe Fleischwunde am rechten Bein zugezogen. In der Klinik Füssen war die Fraktur konservativ versorgt und die Fleischwunde gesäubert und genäht worden. Nach der ambulanten Behandlung der Verletzungen konnte die zu dem Zeitpunkt 52jährige Patientin die Klinik wieder verlassen. Nach etwa drei Wochen stellte sich bei der langjährigen Asthmatikerin ein hartnäckiger Husten ein, der in Verdacht auf Bronchitis vom Hausarzt antibiotisch behandelt wurde. „Außerdem fühlte ich mich unglaublich schlapp“, erinnert sich Niggl, „sodass ich schon befürchtete, ich hätte eine Lungenentzündung. Die Atemnot war für mich als Asthmatikerin ja nichts Ungewöhnliches.“, so die Patientin.  Da sich die Wunde infiziert hatte, war die Ostallgäuerin auch weiterhin  in ambulanter Behandlung im Füssener Krankenhaus.

Am 22. Februar hatte Niggl einen Termin beim behandelnden Chirurgen Dr. Jürgen Knee. „In der Nacht davor ging es mir sehr schlecht“ erzählt Niggl. „Zu meinem ohnehin belastenden Husten, kam ein Brechdurchfall mit heftigen Bauchkrämpfen“, erinnert sich die Patientin gut. Was für ein Glück, dass sie den Termin am kommenden Tag nicht absagte. Denn der schlechte Zustand, insbesondere die schlechte Atmung der Patientin machten Oberarzt Knee hellhörig und er zog zur Abklärung den diensthabenden Internisten Dr. Simon Delladio hinzu. „Auch ich dachte zunächst an einen Infekt, und schrieb diesem die Atemnot zu, insbesondere weil ja auch die Asthmaerkrankung der Patientin bekannt war und wollte Frau Niggl fast schon nach Hause schicken“, erinnert sich Delladio. Doch irgendwie gefiel ihm der insgesamt schlechte Gesamtzustand nicht, sodass er sich zum großen Glück der Patientin auf seine Intuition verließ und weiter untersuchte.  Und Delladios Intuition sollte Recht behalten. Das EKG ergab eine Rechtsherzbelastung, was bereits Hinweis auf eine Lungenembolie war. Delladio suchte weiter und fand  trotz erfolgter Thromboseprohylaxe außerdem eine oberflächliche Thrombophlebitis, die bekanntermaßen auch mal einer tiefen Beinvenenthrombose vorausgehen kann. Schließlich bestätigte der Kaufbeurer Radiologe, der das in Füssen durchgeführte CT teleradiologisch befundete, den Verdacht: Beidseitige arterielle Lungenembolie. Doch das war nicht alles: Der zufällige Mitschnitt des oberen Abschnitts der Baucharterie ergab einen weiteren drastischen Befund: ein Verschluss der Arteria mesenterica superior, sowie des Truncus coeliacus…  - eine nahezu komplette Durchblutungsstörung aller Bauchorgane, was die vorausgegangene Brechdurchfallsymptomatik erklärte. Zu dem jetzigen Zeitpunkt befand sich die Patientin im symptomfreien Intervall. „Es war höchste Eile geboten“, so Delladio. „Die Patientin befand sich in akuter Lebensgefahr.“ Die Idee einer Lyse wurde im Telefonat mit dem Kaufbeurer Gefäßchirurgen Dr. Markus Bayrhof schnell wieder verworfen und es wurde entschieden, sofort zu operieren, um eine Darmnekrose unter allen Umständen zu vermeiden. Eine große Herausforderung für den Operateur, bei bestehender beidseitiger Lungenembolie mit eingeschränkter Lungenfunktion und unter blutverdünnender Medikamentengabe eine so große Bauchoperation durchzuführen. Aber die Situation ließ keine andere Wahl. Delladio forderte umgehend einen Hubschrauber an, während in Kaufbeuren alles für den schwierigen Eingriff vorbereitet wurde. „Die Notfalloperation wurde noch am selben Tag erfolgreich durchgeführt“, erläutert Prof. Dr. Stefan Maier, Chefarzt der Viserzal-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Klinikum Kaufbeuren. „Sämtliche Blutgerinnsel konnten aus den Viserzalarterien entfernt werden.“ so Maier. 

Im Nachgang leider jedoch aufgrund der Vollheparinisierung nicht ganz ohne Komplikation. Drei Tage postoperativ kam es zu einer Nachblutung aufgrund einer Gerinnungsstörung im Bereich einer Magenarterie, die via Coiling im Institut für Interventionelle und Diagnostische Radiologie am Klinikum Kaufbeuren unter Chefarzt Dr. Wolfgang Beinborn interventionell gestillt werden konnte. Ein verbleibendes Hämatom wurde im Nachgang via Laparatomie ausgeräumt.  Im weiteren Verlauf blieb Niggl dann sowohl kreislauf- als auch HB-stabil und konnten nach einigen kritischen Tagen auf Intensivstation über die IMC auf die Normalstation verlegt werden. Doch damit nicht genug. Aufgrund der paradoxen Embolie musste man zwingend von einem persistierenden Foramen ovale (PFO) ausgehen, das schließlich von den Kardiologen am Klinikum Kaufbeuren in einer Echokardiografie bestätigt und zum interventionellen Verschluss heimatnah  in der Klinik Füssen ca. drei Monate nach erfolgter AHB empfohlen wurde.
Knapp drei Monate nach den schwerwiegenden Ereignissen hat Niggl das PFO von Dr. Hinterseer verschließen lassen. Der interventionelle Eingriff im Herkatheterlabor war erwartungsgemäß komplikationslos verlaufen. Rückblickend ist es kaum zu fassen, wie viele glückliche Umstände letztlich dazu geführt haben, dass das Leben der Ostallgäuerin gerettet werden konnte. Delladio bekommt heute noch Herzklopfen beim Gedanken daran, dass er sie beinahe mit dem vermeintlichen Infekt nach Hause geschickt hat. Hinterseer vermutet sogar: „Wahrscheinlich hat ihr unter Umständen sogar das Foramen ovale das Leben gerettet. Wäre dieser große Thrombus, der ja durch das Loch im Herzen in die Arterien geschwemmt und zerteilt worden war, komplett und in voller Größe direkt in die Lungenvene gelangt, so hätte das unter Umständen dramatische Folgen für  Frau Niggl gehabt.“ Doch sei das nur Spekulation. Fakt ist, dass es sich bei diesem ungewöhnlichen Verlauf um eine wirklich spektakuläre Geschichte handelt, deren glücklicher Ausgang tatsächlich nur mehrfach guter Intuition sowie erstklassiger Zusammenarbeit im Verbund und höchster ärztlicher Kunst aller beteiligter Fachbereiche zu verdanken ist.  Niggl ist dankbar: „Ich habe mich sowohl in Füssen als auch in Kaufbeuren sehr gut aufgehoben gefühlt. Alle haben sich so liebevoll um mich gekümmert. Es ist mir ein großes Bedürfnis danke zu sagen.“  Jetzt kann sich Niggl voll und ganz auf ihre vollständige Genesung konzentrieren. Doch beim Erzählen ihrer Geschichte ist Niggl sehr bewegt:  „Ich bin noch da“, so die naturverbundene Bäuerin und frischgebackene Oma still, „das ist alles was zählt.“

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